Was reimt sich auf Freitag? Bratwurst grillen mit Freunden. Eine gemütliche Runde. Bis das Handy zum Alarm bimmelt. Auf dem Weg zum Gerätehaus nehme ich im Augenwinkel die Zeile auf dem Telefon wahr: Reanimation nach Sportunfall in unserer Turnhalle. Die meisten Jungs und Mädels dort kenne ich. Wer von denen...? Ich laufe schneller.
Umziehen, losfahren. Am Einsatzort werden wir direkt zu dem jungen Sportler gelotst. Nicht ansprechbar, keine Atmung. Die Wiederbelebungsmaßnahmen sind schon im Gange. Zwei Kameraden sind auch schon da. Sie wohnen nebenan und haben sich den Umweg übers Gerätehaus gespart. Vielleicht nicht regelkonform, wen interessiert das.
Schon 3-5 min nach einem Herzstillstand wird das Gehirn nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt. Irreversibel. Beginnt die Reanimation sofort, stehen die Chancen gut. Man kann gar nichts falsch machen. Nur nichts machen ist falsch. Also drücken. 100-120 Mal pro Minute. 5-6 cm nach unten. Keine Angst haben. Nicht aufhören. Immer weiter... im Takt der Bee Gees - Stayin' Alive. Highway to Hell hat übrigens denselben, perfekt passenden Rhythmus, der Text ist letztlich egal:)
Fast zeitgleich mit der Feuerwehr trifft der Rettungsdienst ein, kurz danach Notarzt und Berufsfeuerwehr. 30 x Herzdruckmassage - 2 x beatmen. Schweißtreibend. Wir wechseln uns ab. 30 scheinbar endlos lange Minuten. Dann... kaum zu glauben, der junge Mann atmet, wird in den RTW gebracht, saust davon. Alles Gute. Wir seh'n uns Kumpel, hoffentlich.
Seine Werte sind stabil. Meine nicht. Ich mach so was nicht jeden Tag. Bin nicht über Fragen und Zweifel erhaben. Doch heute weiß ich wieder, warum ich das mache. Wir seh'n uns, und vielleicht grillen wir mal zusammen eine Wurst.
Text: Martin Göbelt
Unterzeichne die Petition
Bundesweit verpflichtende Einführung von Unterricht in Wiederbelebung ab Klasse 7.
Aktion bis 30.4.2022.
ichrettedeinleben.de
- Prüfen - nicht ansprechbar, keine Atmung, dann
- Rufen - Tel. 112, Passanten um Mthilfe bitten, dann
- Drücken - (Stayin' Alive), optional Beatmen (30:2)